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Rosengarten soll moderat um ein Drittel wachsen

Ein X für ein U vormachen. Das kennen Sie doch auch, gerade in Zeiten von Fake-News. Sie sagen „Was für ein schöner Sonnenaufgang“ und ihr Gegenüber antwortet „Nein, das ist der Sonnenuntergang.“ 

Einen solchen Moment hatte ich in der letzten Sitzung des Bauausschusses: Unsere Gemeinde hat vor 5 Jahren die Ziele der Gemeinde bis 2030 niedergeschrieben. Das Ganze nennt sich „Zukunftskonzept Rosengarten 2030“. 

Dort steht z.B. der Satz: 

Bis zum Jahr 2030 wird deshalb auch nur eine moderate Erhöhung der Einwohnerzahlen um rund 2 % angestrebt. [1]

An anderer Stelle wird dies nochmal ähnlich wiederholt: 

Wir steigern unsere Bevölkerungszahl bis 2030 stetig und moderat um rund 2% [2]

Die Gemeinde hatte 2015 ca. 13300 Einwohner, davon 2% sind 266 Einwohner. Man könnte das Ziel also auch anders formulieren:

Bis 2030 soll die Einwohnerzahl der Gemeinde um etwa 250 Einwohner zunehmen.  

Jetzt kommt der Sonnaufgangsmoment. Achtung!

Am 26.10.2020 traf sich der Bauausschuss, also die Leute in Rosengarten, die entscheiden ob und wo gebaut wird. Viele Bürger waren anwesend, da über zusätzliche Bebauung in Neu-Eckel abgestimmt werden sollte.

Als Argument gegen weitere Bauflächen wurde von mir das Zukunftsprojekt 2030 angeführt: Die Gemeinde hat in den vergangenen 5 Jahren schon so viele Bauprojekte auf den Weg gebracht, dass allein durch diese Projekte 300 zusätzliche Einwohner zu erwarten sind. Das Ziel von 2030 wäre also schon erreicht. Jede weitere Baumaßnahme müsse also genau hinterfragt werden. Oder die Gemeinde müsse Ihre Ziele umformulieren, z.B. mehr als 2% Wachstum. 

Achtung, jetzt kommt der Sonnaufgangsmoment:

Der Vorsitzende des Bauausschusses sagte den Anwesenden, dass das Konzept missverständlich formuliert sei (absichtlich?!). Das Bevölkerungswachstum soll nicht 2% bis 2030 sein, sondern JEDES Jahr soll es eine Steigerung von 2% geben. 

Ich war baff, als ich das hörte. Ich sprach mit einigen Mitgliedern des Ausschusses persönlich, wollte mich vergewissern nichts falsch verstanden zu haben. 

Ich hatte es nicht falsch verstanden. Die Steigerung soll jährlich sein. Dies bedeutet eine Steigerung der Bevölkerung von 2015 bis 2030 um ca. 34%. Ja, richtig, mehr als ein Drittel. Das wären 4522 zusätzliche Bürger und Bürgerinnen!

Zum Vergleich:

Zwischen 1972 und 2015 ist die Bevölkerung von 9500 auf 13300 gestiegen. In 15 Jahren soll die Bevölkerung also mehr wachsen, als in den 42 Jahren zuvor. Und das obwohl die Population in Deutschland eher rückläufig ist. 

Klingt verrückt, oder? 

Nochmal zur Erinnerung. Der Ausgangssatz war:

Bis zum Jahr 2030 wird deshalb auch nur eine moderate Erhöhung der Einwohnerzahlen um rund 2 % angestrebt.

Eine Erhöhung der Einwohnerzahl um mehr als ein Drittel wäre also noch moderat. Da sind wir aber alle froh, dass das Ziel nicht eine immense, enorme, oder gar maßlose Steigerung der Einwohnerzahl ist.

Nur noch mal fürs Protokoll: Herr Klaus Meyer-Greve (SPD), Hans-Hermann Böttcher (SPD), Bürgermeister Dirk Seidler und Carsten Peters (zweiter Mann im Rosengartener Rathaus), Nicolas Schmunk (CDU), Anke Grabe (CDU) behaupteten doch offensichtlich, dass ein X ein U sei.

Die Grünen und die UWR bestätigten mir, dass die genannten Personen, diese Umdeutung schon öfter vollzogen hätten. 

Ich meine, dass ich doch mal eine gute Nachricht für alle Menschen in Rosengarten! Wir kriegen 4500 neue Mitbürger! Das fast zweimal Klecken. Die Bauwirtschaft wird boomen. Die Makler liegen sich in den Armen. 

Ach ja und das Zukunftskonzept können wir auch in die Tonne kloppen, denn im Zweifelsfall werden die Damen und Herren der CDU und der SPD noch viele missverständliche Formulierungen finden. 

Referenzen:

[1] Zukunftskonzept 2030 (Langfassung), Seite 8

[2] Zukunftskonzept 2030 (Langfassung), Seite 13